„Die Krise ist zu schaffen“ – Corona-Sofortprogramm für Michelstadt

Seit Dienstag letzter Woche sind aus der Bundespolitik neue Signale zu vernehmen. Zwar kann frau durchaus das Fehlen einer längerfristigen Strategie kritisieren, zu vermelden sind aber – bei steigender Impfquote, bei sinkenden Inzidenzen – die Aussichten auf schrittweise KiTa- und Schulöffnungen. Ab Anfang März sollen neue Corona-Schnelltests verwendet werden können. Eine „Normalisierung“ des gesellschaftlichen Lebens ist inzwischen also vorstellbar.

Strategische Konzepte aus denen heraus auch strategisches Handeln folgen muss, sollten deshalb jetzt entwickelt werden. Auch und gerade auf kommunaler Ebene! Wie wird Michelstadt, die Schul-, Kultur- und Einkaufsstadt des Odenwaldes, sich coronabedingt verändern? Welche Wege aus der Krise sind gangbar ?

Michelstadts Grüner Bürgermeister-Kandidat, Dr. Jonas Schönefeld macht sich bereits seit längerem Gedanken über die Zukunft der Stadt. Dass ein „Blick von außen“ bei solchen Planspielen sehr hilfreich und bereichernd sein kann, zeigte sich bei einer Veranstaltung zum Thema „ Herausforderungen und Chancen – wie kann Michelstadt auch künftig erfolgreich, lebendig und lebenswert sein?“ Die profunde Expertise der Gäste führte zu einer – von angenehmer gegenseitiger Wertschätzung geprägten – angeregten Debatte.

  • Jochen Partsch, Grüner Oberbürgermeister von Darmstadt, gab einen Überblick über die in Darmstadt entwickelten Konzepte, damit die Wissenschaftsstadt zukunftsfähig bleiben kann. Er benannte hierbei auch die Chancen für den Tourismus-Standort Michelstadt, wo er, im Gegensatz zu Darmstadt, ein hohes Potential sieht.
  • Erika Bär, Betreiberin der historischen Gaststätte „Zum Grünen Baum“ in Michelstadt (in 15. Generation!) warb für ein gelungenes Zusammenspiel von Handel, Kultur und Gastronomie in der Innenstadt.
  • Karl-Reinhard Wissmüller, dessen Verkehrsmittel die Menschen im Odenwald mobil machen und in die benachbarten Zentren bringen, brach eine Lanze für den weiteren zügigen Ausbau des ÖPNV, der das tragende Verkehrssystem der Zukunft sein werde.
  • Gesine Stöcker (Architektin), die sich einen Namen mit der Sanierung erhaltenswerter Bauten in der Michelstädter Innenstadt gemacht hat, plädierte für weitere (energetische) Sanierungen, da eine lebenswerte Innenstadt quasi das Wohnzimmer einer Kommune sei, was zur Identifikation der Bürger*innen mit „ihrer“ Stadt führe.
  • Bürgermeisterkandidat Dr. Jonas Schönefeld, Umweltwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Politik und Verwaltung, sah seine Aufgabe in der Runde darin, die Analysen, Anregungen und Ideen seiner Gäste mit eigenen Konzepten und Vorhaben zu verknüpfen, um zeitnah Maßnahmen vorzustellen, die Wege aus der Krise aufzeigen können.

Weitestgehend einig waren sich alle Teilnehmer*innen darin, dass schnell gehandelt werden muss. Dies sollte nach Vorstellungen von Dr. Schönefeld Aufgabe sein einer interfraktionellen Arbeits-Gruppe aus der Stadtpolitik mit Bündnispartnern*innen aus Gewerbe, Handel und Kultur. Daraus muss zeitnah ein Corona-Sofortprogramm für Michelstadt und eine längerfristige Öffnungsstrategie entstehen, sobald aus Bund und Land grünes Licht kommt.

Ein Video des Livestreams können Sie sich unter diesem Link auf YouTube ansehen.


Erste sichtbare Auswirkungen der Krise im Stadtbild werden, so die einhellige Meinung der Diskutierenden, zunehmende Leerstände von Ladengeschäften sein. Statt diese Leerstände in der Innenstadt lediglich bedauernd zur Kenntnis zu nehmen und zu verwalten, sollte konzeptionell überlegt werden, künftig einen Schwerpunkt auf innenstädtisches Wohnen zu legen. Auch kleinere Handwerksbetriebe und andere Institutionen sollten sich – statt an der Peripherie – wieder stärker im Innenstadtbereich ansiedeln können. Dazu gehört natürlich auch der Aufbau eines kommunalen Immobilien-Managements, das dann auch Wohnungssuchende unterstützen würde.


Bei der Aufgabe, wie können Handel, Gastronomie und Kultur jetzt und nach der Krise gezielt Unterstützung finden, gibt es in anderen Städten wie Marburg oder auch Darmstadt gute Vorbilder (z.B. Gutschein-Systeme). Entscheidend wird sein, dass einerseits so viel wie möglich an „städtischem Kulturgut“ gerettet wird und dass andererseits städtische Investitionen nachhaltig und zukunftsweisend getätigt werden.

Einen Hoffnung gebenden Schlusspunkt der Veranstaltung setzte die Gastronomin Erika Bär mit dem Statement „Die Krise ist zu schaffen!“

Die gesamte Veranstaltung kann hier eingesehen werden.

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